Kritische Edition erklärtVon der Handschrift zum TextDie bisherigen Drucke der Werke Alberts sind weder vollständig, noch genügen sie den Anforderungen einer kritischen Edition. Der Anspruch einer kritischen Edition besteht darin, unter Berücksichtigung aller erhaltenen Handschriften einen Text zu rekonstruieren, der dem beabsichtigten Ursprungstext Alberts so nahe wie möglich kommt. Hierbei sind folgende Arbeitsschritte zu durchlaufen: 1) Zunächst sind alle erhaltenen Textzeugen (Handschriften, frühe Drucke) ausfindig zu machen. 2) Ausgewählte Stücke aller Handschriften sind zu transkribieren, d.h. unter Auflösung der Abkürzungen in einer vollständigen lateinischen Version zu erfassen. 3) Die transkribierten Texte sind zu kollationieren, d.h. hinsichtlich ihrer Gemeinsamkeiten und Abweichungen zu vergleichen. 4) Im Idealfall ergibt sich aus diesem Vergleich ein Stammbaum (Stemma), der über die Abhängigkeit einzelner Handschriften und Handschriftengruppen Auskunft gibt. 5) Aufgrund dieser Ergebnisse wird eine signifikante Anzahl von Handschriften ausgewählt, die für die Erstellung des ganzen kritischen Textes verwendet werden. 6) Nach Maßgabe entsprechender methodischer Prinzipien wird durch Vergleich der ausgewählten Textzeugen derjenige Text (Haupttext) rekonstruiert, der dem ursprünglichen Text Alberts so weit wie möglich entspricht (Textkonstitution). 7) An den Stellen, an denen die Handschriften voneinander abweichen, werden die Textvarianten, die nicht in den Haupttext aufgenommen wurden, in einen Variantenapparat eingetragen, so dass sie für die weitere wissenschaftliche Arbeit zur Verfügung stehen. 8) Der Haupttext wird durch Überschriften, Absätze und Satzzeichen gegliedert. 9) Im so genannten Quellenapparat werden die ausdrücklich von Albert zitierten oder auch nur angedeuteten Quellen verzeichnet, um über Alberts Arbeitsmethode und seinen Wissensstand Auskunft zu geben. 10) Durch Übersetzung ins Deutsche ist der Text Alberts einem größeren Leserpublikum in zweisprachigen Parallelausgaben zur Verfügung zu stellen. Ein Absatz aus dem Liber de causis (Editio Coloniensis XVII/2) dient der Erläuterung dieser Arbeitsschritte.
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